General Vollmer erleutert die Zukunft des Heeres

MÜNCHEN Der 9. Wehrtechnische Kongress des Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) behandelte am vergangen Freitag die Zukunft der Bundeswehr. Diese werde europäisch und digital sein, das betonten jedenfalls viele der Redner. Eine große Herausforderung wird zudem in der Ausrüstung der Streitkräfte gesehen, denn Teile davon müssen komplett erneuert werden. Vor allem Deutschland und Frankreich müssen hier entschiedener zusammenarbeiten, ihre Entscheidungen haben in Europa am meisten Gewicht. Die Vision einer europäischen Armee auszusprechen gilt als gewagter Vorstoß. Rechtzeitig vor der Europawahl wurde hiermit ein Anreiz gesetzt, durch den sich die Kandidaten zu dieser Frage positionieren müssen.

Europäische Rüstungs- und Verteidigungskooperation

Deutschland und Frankreich stecken traditionell in einem Spannungsverhältnis. Einen Parlamentsvorbehalt kennt man in Frankreich nicht. Und während Deutschland nur noch in einem Bündnis agieren möchte, könnte Frankreich durchaus seine Interessen auch im Alleingang durchzusetzen versuchen. Aktuell werden die deutsch französischen Beziehungen mit zunehmenden Missverständnissen überlagert. Dazu kommt ein berechtigtes Interesse, gemeinsame Projekte für den eigenen Vorteil auszufechten. Mit Blick auf die gemeinsame Entwicklung eines zukünftigen Luftkampfsystems (FCAS) muss unbedingt vorher geklärt werden, ob dieses exportiert werden darf - so möchten es die Franzosen. Es kommt also darauf an, Missverständnisse schnellstmöglich auszuräumen. Grundsätzlich sollten eigene europäische Projekte ganzheitlich betrachtet werden und zu den Fähigkeiten der NATO passen.

1954 hatte das französische Parlament die Idee einer europäischen Armee abgelehnt, heute möchte Frankreich den Weg zu einer „wahren europäischen Armee“ neu entwickeln. Die Deutschen scheinen geneigt, den Vorschlag Frankreichs wörtlich zu nehmen. Bei der Betrachtung der politischen Dimension sollte jedoch beachtet werden, dass der Europawahlkampf bereits begonnen hat. Dennoch könnte die Dynamik hilfreich sein um die Idee in handhabbare Politik münden zu lassen. Ob dabei eine wahre europäische Armee oder eine Armee der Europäer herauskommt ist ungewiss.

Zukunft der Landstreitkräfte

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, stellte die Zukunft der deutschen Landstreitkräfte vor. Insgesamt soll es drei voll einsatzbereite Divisionen im Heer geben. Beim Aufbau der neuen Divisionen soll die erste schnell, bis zum Jahr 2027, verfügbar gemacht werden. Dazwischen - bis 2023 - wird der Schritt zu VJTF, der deutschen Einsatzgruppe in Brigadestärke mit einer sehr hohen Einsatzbereitschaft, zu gehen sein. Parallel geht ein Ende der aktuellen Funkgerätegeneration einher. Diese hat bald ihre Obsoleszenz erreicht und wird bewusst nur bis zu dieser Unbrauchbarkeit betrieben. Bis dahin benötigt das Herr dringend neue Funkgeräte die in der Lage sind, hohe Datenmengen übertragen zu können. Software Defined Radio (SDR) wird die Lösung sein. Bis zum Jahr 2031 sollen dann drei voll digitalisierte Divisionen Heer 4.0 einsatzbereit sein.

Die anschließende Podiumsdiskussion offenbarte woran es zurzeit mangelt. General Vollmer betonte: „Jahrelang konnten wir für die Bundeswehr nichts fordern, weil es nichts gab.“ Inzwischen sei zwar der Wille spürbar und Geld zur Beschaffung vorhanden, am meisten jedoch fehle es an den Entscheidungen. Die Achillesferse des Heeres liege im Material, so der General weiter. Beim Personal mache er sich eher weniger Sorgen. Während beim Material Quantität die Qualität sei, dürfe man sich beim Personal etwas Zeit lassen um das geeignete Personal zu finden.

Den Hinweis, notwendige Entscheidungen endlich zu treffen, geben auch die Vertreter der Industrie. Um produzieren zu können was die Bundeswehr benötigt, braucht die Industrie Planungssicherheit. Frank Haun von Krauss-Maffei Wegmann kann sich nicht vorstellen, dass die Erneuerung der Ausstattung für die VJTF-Brigade bis zum Jahr 2023 geschafft werden könnte. „Bis heute gibt es noch überhaupt keinen Auftrag“, sagte er mahnend. General Vollmer möchte nicht warten, bis die 100-Prozent-Lösung angeboten werde. „Können wir nicht einfach mal loslegen und machen?“ forderte er abschließend unter dem Applaus der Zuhörer.

Die Herausforderungen werden nicht weniger. Wichtige Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden. Viele Appelle waren unmissverständlich an die Politik gerichtet. ASP-Vorsitzender Florian Hahn betonte: „Wir wollen die Schützen die uns Schützen“. Nach dem Kongress kann die CSU wichtige Eindrücke mit nach Berlin nehmen. Die Chancen stehen zurzeit nicht schlecht, in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik weiterzukommen.